Alles Wissenswerte über Hoverboards.

Rechts- und Zulassungsfragen

Beim Verfassen dieses Artikels war uns- womöglich wie Ihnen noch im Moment- nicht bewusst in was für einem enormen Umfang Rechts- und Zulassungsfragen mit dem simplen Kauf eines Hoverboards zu tun haben können. Doch es müssen weit mehr Dinge beachtet werden wie zunächst gedacht! Was als Trend-Geschenk zu Weihnachten 2015 begann, ist heute eine tiefe Rechtssache. Während sich die folgenden Rechtsfragen mit der Klassifizierung der E-Boards im Straßenverkehr und damit einhergehend dem Einsatz im Alltag befassen, fällt unter die Zulassung zusätzlich der Transport der Geräte im Flugzeug. Um Ihnen in dringenden Fällen viel Lesen zu ersparen, checken Sie vor einem Flug das Mitnehmen von Hoverboards explizit mit der Fluggesellschaft ab.

Rechtliche Grauzone

Das Brett ist auf der Straße dank seiner Selbstbalance alles andere als wackelig. Leider ist das in der rechtlichen Frage dafür um so mehr. Bevor Sie jetzt aber direkt zurückschrecken, müssen Sie absolut nicht davon ausgehen damit etwas Illegales zu kaufen oder zu benutzen. Es ist viel mehr eine rechtliche Grauzone die bisher durch keine weitere Erläuterung seitens des Gesetzes ergänzt wurde. Womöglich hängt dies mit der schnellen Entwicklung des Hoverboards zusammen und mit dem ewig wirkenden Prozess einer Gesetzeseinführung in Europa, speziell in Deutschland. So witzig es klingt, eine Einordung des Brettes gäbe es ohne neues Gesetz nur unter der Kategorie (Elektro-)Fahrrad. Unter diese Rubrik fallen alle Fortbewegungsmittel mit bis zu 25 Km/h und zugleich bis zu 600 Watt. Damit einhergehend ist leider, dass solch ein (Elektro-)Fahrrad mit einer Klingel, einer Lichtanlage, Reflektoren und zwei Bremsen ausgestattet sein muss. Aufgrund der Bauweise kann diese Vorgabe durch ein Hoverboard selbstverständlich nicht eingehalten werden. Auch wenn es irrelevant ist, würde das Ganze noch dadurch ergänzt werden, dass sowohl die geltende Promilleregel als auch das Telefonieverbot für die stehende Fortbewegungsart gelten würde. Missachtung würde dementsprechend als Ordnungswidrigkeit gelten und mit einer entsprechenden Strafe belegt werden. Wie kommt es also zu der rechtlichen Grauzone von der wir anfangs gesprochen haben?

Elektronisches Fortbewegungsmittel oder Kinderspielzeug?

Schon die Überschrift lässt vermuten, worauf sich Hoverboardnutzer berufen können. Denn tatsächlich ist noch nirgends niedergeschrieben ob ein Hoverboard, E-Board, Self-balancing-Board oder wie auch immer, unter die Regelung der (Elektro-)Fahrräder fällt. Somit ist das Board noch unter der Kategorie „Kinderspielzeug“ einzuordnen, das genau dann als solches gilt, wenn es nur Schrittgeschwindigkeit fährt. Sollte es wirklich zu einer Kontrolle kommen, so ist es also abhängig von der Geschwindigkeit die man fährt und subjektiv von der Polizei zu bewerten. Experten haben jedoch solch einen Vorfall bisher nur theoretisch durchdacht, von einer tatsächlichen Kontrolle ist bisher noch nichts öffentlich bekannt geworden. Nutzt man den Bürgersteig also nur in Schrittgeschwindigkeit, sollte dies kein Problem sein. Trotzdem sollte man sich vor einem Kauf über die rechtliche Lage klar sein und immer wachsam fahren. Doch wie gesagt, bevor Sie nun Ihren Traum einer innovativen Fortbewegung platzen lassen, solch ein Fall ist uns bisher absolut noch nicht bekannt. Fahren Sie rücksichtsvoll und verärgern Sie keine Passanten auf der Straße und sowohl Sie, als auch der Rest der Verkehrsteilnehmer wird ihren Spaß haben.

Update „Sommer 2016“

Eingestuft als Kraftfahrzeug, muss ein Hoverboard sowohl pflichtversichert, als auch mit einem entsprechenden Führerschein geführt werden. Doch nun erst mal langsam. Das Hoverboard wurde als Kraftfahrzeug eingestuft, da es eine bauartbedingte schnellere Höchstgeschwindigkeit als 6 Km/h hat. Die Folgen dieser Einstufung sind weitreichend. Denn als „Kraftfahrzeug“ muss jedes Gerät das dieser Kategorie zugesprochen wird pflichtversichert werden. Unter einer Pflichtversicherung ist allerdings zu verstehen, dass die Versicherung eigens für dieses Gerät ausgelegt ist oder es zumindest in dem Vertrag namentlich nennt (§ 6 PflVersG). Dementsprechend ist bisher gar keine Versicherung für ein E-Board abzuschließen. Doch nicht einmal daran scheitert es in erster Linie. Noch aussagekräftiger ist der Fakt, dass ein Board durch die Kategorisierung eines Führerscheins bedarf. Und bisher gibt es- das wird Sie nicht überraschen- keine Fahrschule die solch eine Ausbildung anbietet. Dem Wortlaut zufolge kann die Führung eines Hoverboards zwar unter die Führerscheinklassen AM, A1, A2, A und sogar der „normalen“ Pkw Klasse B fallen, doch aufgrund des Versicherungsproblems und das damit verbundene Verbot ist damit nicht zu rechtfertigen. Anwälte sprechen dann von einem Fahren ohne Fahrerlaubnis nach § 21 StVG, was bisher zwar noch nicht vorgefallen ist, aber rechtlich so eingeordnet werden kann. Wozu also erst die Erläuterung der Grauzone. Da wir Ihnen als Ratgeber keinesfalls zu einer Nutzung auf der Straße raten, liegt es in Ihrem Ermessen wir Sie das Board nutzen wollen. Wir können nur so viel sagen, das Brett macht auch auf dem Privatgrundstück, also im Hof, der Einfahrt oder im großen Wohnzimmer extrem viel Spaß.

Zulassungsfragen für den Transport

Ist also die Straßenlage geklärt, kommen wir zu dem Transport in der Höhe. Im Flugzeug kann das Hoverboard zu Problemen führen. Denn der Lithium-ionen-Akku sehen viele Airlines als Gefahr an. Die leistungsstarken Akkus sind nämlich leider nicht nur extrem stark sondern auch leicht entflammbar. Weshalb sie ab einer gewissen Größe nicht mehr transportiert werden können. Die „Größe“ ist in diesem Fall als maximal 160 Wattstunden zu verstehen. Im Frachtraum dürfen die Akkus zudem gar nicht mehr verstaut werden. Zu hoch ist die Selbstentzündungsgefahr. Handies, Tablets oder Laptops sind von dieser Sperre befreit, die kleinen Akkus können im Handgepäck mitgeführt werden. Ein Brand dieser kleineren Akkus würde weniger Probleme während des Flugs bereiten als einer im Frachtraum. Bei Hoverboards wird dies leider zum Verhängnis. Viele Käufer günstiger Hoverboard-Angebote im Ausland beispielsweise Thailand, USA oder China wurden deshalb am Flughafen oft enttäuscht. Große Fluggesellschaften wie Lufthansa, der Billigfluganbieter Delta Airlines und dessen Konkurrent Bluejet oder auch Emirates Airlines haben den Transport der Hoverboards seit Anfang 2016 ganz verboten. Zu eine der wenigen Ausnahmen zählt Qatar Airlines. Die Fluggesellschaft akzeptiert den Transport der Boards im Frachtraum wenn der Akku herausgeschraubt ist und im Handgepäck verstaut wird. Nun extra mit Qatar Airways zu fliegen scheint uns doch etwas übertrieben, deshalb sicherheitshalber die Bedingungen Ihres Fluges vor dem Kauf eines Hoverboards im Ausland checken. Auch wir haben in den vielen Regelungen anderer Airlines nicht immer eine klare Antwort gefunden. Deshalb bei Bedarf individuell mit dem Flugpersonal vor dem Kauf abklären.